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Newsletter Betriebliche Bildung
November 2020
Liebe Leserinnen und Leser

Trotz der Einschränkungen durch COVID-19 möglichst viel Normalität zu erhalten, das war in den letzten Monaten auch den Mitarbeitenden des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes ein grosses Anliegen. Die Gesellschaft, die Wirtschaft und wir alle müssen und wollen nicht nur funktionieren, sondern möglichst ungehindert und gleichermassen verantwortungsbewusst leben und arbeiten. Und das ist uns meiner Ansicht nach recht gut gelungen. Wir werden aber noch eine längere Zeit auf Geduld, Durchhaltewillen und konsequentes Umsetzen der Verhaltensregeln setzen müssen.

Es gibt aber auch wieder Höhepunkte und Herausragendes zu vermelden wie die Talentförderung plus, unser Schwerpunktthema. Die Talentförderung ist uns sehr wichtig, denn die Berufsbildung steht im Wettbewerb mit dem gymnasialen Weg um die begabteste Jugendlichen. Verbundpartnerschaftlich müssen wir investieren, damit die Berufsbildung auch inskünftig für leistungsfähige und einsatzfreudige, kreative und begabte junge Menschen ein interessanter Weg in die Erwerbstätigkeit bleibt. Konnten wir nicht gerade in dieser Pandemie auf den Einsatz unserer Lernenden, der besonders Leistungswilligen und Leistungsfähigen zählen?

Allen Berufsbildnern, Berufsbildnerinnen sowie allen Unternehmerinnen und Unternehmern danken wir von Herzen dafür, dass sie sich weiterhin für eine starke und selbstbewusste Berufsbildung einsetzen. Sie leisten ihren Beitrag mit Verantwortungsgefühl für eine leistungsfähige, innovative Wirtschaft und eine sichere Gesellschaft. Wir sind alle in der Pflicht, unseren Jugendlichen Perspektiven zu eröffnen!

Wir freuen uns, wenn Sie diesen Newsletter an alle interessierten Personen weiterleiten.

Hans Jörg Höhener, stv. Chef Mittelschul- und Berufsbildungsamt und Leiter Betriebliche Bildung
Stand der Lehrverträge 2020
Der Lehrstellenmarkt in der Deutschschweiz hat sich im Jahr 2020 als robust erwiesen. Solange dieser Markt funktioniert, ist ein staatliches Eingreifen nicht vorgesehen. Daher haben wir uns im Kanton Zürich mit Massnahmen zurückgehalten, uns aber auf allenfalls unerwünschte Ereignisse vorbereitet. Zusammen mit der kantonalen Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung, unseren Berufsfachschulen, der EB Zürich und den Berufsvorbereitungsjahren haben wir Auffang- und Unterstützungsangebote entwickelt, die wir bei Bedarf einsetzen können. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation hat uns dafür finanzielle Unterstützung zugesichert.

Unter anderem sollen im Bedarfsfall Jugendliche, die an der Nahtstelle 1 noch keine Anschlusslösung gefunden haben, sowie Lernende, die infolge Konkurs des Betriebs ihre Lehrstelle verloren haben, in einem flexiblen Angebot während höchstens vier Monaten begleitet und unterstützt werden. Im Falle einer grösseren Anzahl von Konkursen werden weder die Berufsinspektorinnen und -inspektoren noch die Coaching-Stelle die Nachfrage nach Begleitung und Beratung wahrnehmen können. In diesem Fall würden wir eine zusätzliche Coaching-Stelle einrichten.

Bei der Rekrutierung für die Lehrstellen 2021 wird sich zeigen, ob der Lehrstellenmarkt weiterhin funktioniert. Bis Ende Oktober verzeichnen wir einen geringen Rückstand im Vergleich zu den Vorjahresmonaten. Immerhin werden im Lehrstellennachweis LENA Anfang November mehr als 7000 offene Lehrstellen im Kanton Zürich angeboten.

Wir bitten Sie, weiterhin hochwertige Ausbildungsplätze anzubieten. Ermöglichen Sie talentierten jungen Menschen, eine lehrbegleitende Berufsmaturität zu absolvieren! Indem wir Talente fördern, erhöhen wir die Attraktivität der beruflichen Grundbildung.

Ermöglichen Sie interessierten Jugendlichen, in Ihrem Betrieb zu schnuppern und ermuntern Sie sie, sich auf passende Lehrstellen zu bewerben. Sie können auf «Berufswahl.zh.ch» Ihre Schnupperlehren publizieren. Dort finden Sie auch Hilfsmittel wie zum Beispiel die Vorlage «Rückmeldung Schnupperlehre».

Herzlichen Dank an alle Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern, dass Sie ausbilden und aus Schulabgängern selbstbewusste Fachkräfte formen. Dass Sie dabei immer auch über das Ausbilden hinaus gegenüber jungen Menschen eine Erziehungsaufgabe wahrnehmen. Das ist eine anspruchsvolle, aber auch eine sehr dankbare Aufgabe.
Talentförderung lohnt sich für alle
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Talente gibt es nicht nur im Sport, in der Kunst oder in der Musik. In zahlreichen Lehrberufen werden leistungsstarke Lernende ausgebildet, die noch viel mehr erreichen könnten, wenn sie gezielter gefördert würden. Die Talentförderung wird künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Einerseits aufgrund des Fachkräftemangels, andererseits aufgrund der demografischen Entwicklung. Zwei von drei Jugendlichen entscheiden sich nach Abschluss der obligatorischen Schule für die Berufsbildung. Aktuell zeigt sich auch in Zeiten von Krisen, dass geförderte Lernende wichtige Rollen übernehmen und einen aktiven Beitrag leisten können. Aus diesem Grund lancierte die Bildungsdirektion Anfang November die Kampagne «Talentförderung Plus».

Die Sensibilisierungskampagne Talentförderung Plus

Das Ziel der Kampagne ist es, Betriebe, Berufsverbände und Berufsfachschulen zu motivieren, sich gemeinsam für die systematische Identifikation und Förderung von begabten Lernenden in der Berufsbildung zu engagieren. Das Herzstück ist die neue Website www.talentfoerderungplus.ch. Die Kampagne vermittelt relevantes Wissen, stellt praktische Werkzeuge zur Verfügung und erzählt inspirierende «Talent Stories». Die Kampagnenwebsite versteht sich zudem als Plattform, welche die bestehenden und zukünftigen Talentförderer im Kanton Zürich vernetzt und den Erfahrungsaustausch anregen soll. So können Betriebe, Berufsverbände und Berufsfachschulen die Talentförderung in der Berufsbildung wirkungsvoll und nachhaltig etablieren.

Dank Talentförderung können aus guten Lernenden sehr gute Mitarbeitende werden

Das Gewinnen von gut ausgebildeten Fach- und Führungskräften ist für die Wirtschaft eine grosse Herausforderung. Studien beweisen, dass die überdurchschnittliche Begabung auch in der Berufsbildung eine Realität ist. Die Talentförderung von Lernenden während der Berufslehre soll genauso etabliert werden, wie dies bereits im Gymnasium bereits der Fall ist. Damit die Berufsbildung als attraktiver und zukunftsorientierter Ausbildungsweg wahrgenommen wird, muss die Verknüpfung von Begabung und Beruf stattfinden. Die individuelle Förderung von talentierten Lernenden soll die Berufsbildung stärken. Es sind gezielte und koordinierte Anstrengungen nötig, um leistungswillige und -starke Jugendliche zu gewinnen und zu fördern.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, wie talentierte Lernende gefördert werden können. Anregungen und Inspirationen finden Sie auf der neuen Website. Indem Sie betriebsinterne Talententwicklung betreiben und/oder die Teilnahme an ausserbetrieblichen Fördermassnahmen ermöglichen, unterstützen Sie die persönliche und berufsorientierte Weiterentwicklung Ihrer Talente. Gleichzeitig investieren Sie in die Zukunft Ihres Betriebes oder Ihrer Branche und steigern indirekt die Attraktivität des Berufsbildungssystems. Fördern Sie Ihre Lernenden bereits? Dann können Sie Ihre Fördermassnahmen auf der neuen Website präsentieren und andere Betriebe inspirieren.

Viermal jährlich wird ein «Talentförderung Plus»-Newsletter erscheinen. Abonnieren Sie diesen heute noch direkt auf der neuen Plattform www.talentfoerderungplus.ch. Die erste Ausgabe erscheint Mitte November 2020.
Ein spezielles Qualifikationsverfahren 2020
Herzlichen Dank an alle Beteiligten! Es brauchte den bedingungslosen Einsatz aller, damit die Lernenden auch 2020 ihren Abschluss absolvieren konnten.

Ab Mitte März war plötzlich alles anders, COVID-19, die grosse Unbekannte, hatte die Welt im Griff. Nebst vielen Problemen, die auf uns zukamen, war einer meiner ersten Gedanken: «Wie soll das Qualifikationsverfahren über die Bühne gehen?»

Im Kanton Zürich werden jedes Jahr in rund 195 unterschiedlichen Berufen noch unterschiedlichere Prüfungen durchgeführt. Trotz der aussergewöhnlichen Lage mussten die Prüfungen einigermassen einheitlich und dadurch fair durchgeführt werden.

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) rief eine Arbeitsgruppemit ins Leben mit Vertretern aus der Arbeitswelt und den Kantonen. Diese Arbeitsgruppe legte fest, welche Vorgaben für das QV-Jahr 2020 gelten sollten. Nach mehreren langen Telefonkonferenzen einigte man sich auf die neu geltenden Richtlinien. Die Vertreter der Arbeitswelt konnten selbst festlegen, wie die praktischen Prüfungen im Detail auszusehen haben und durchgeführt werden sollen. Die gewünschte Variante wurde durch ein Expertengremium kontrolliert und als durchführbar befunden. Bei Nichteinhalten der Richtlinien müssten durch die Branche Korrekturen angebracht werden.

Da alles so schnell gehen musste, war der Informationsfluss nicht ideal. Das sorgte für Verwirrung bei den Lehrbetrieben, den Lernenden und den Eltern. Die Telefone liefen heiss und die Situation war angespannt. Doch der grossartige Einsatz der Involvierten zeigte seine Wirkung: Die rund 16 000 Lernenden konnten ihren Abschluss machen. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Ein riesiges Dankeschön geht an Sie, geschätzte Berufsbildnerinnen und Berufsbildner. Sie begleiteten die Lernenden unter stark erschwerten Bedingungen durch den Abschluss.

Noch ein paar Fakten zu den Abschlussprüfungen: Im Kanton Zürich wurde bei rund 5800 Lernenden die Variante 3 durchgeführt. Speziell zu erwähnen ist, dass wir entgegen dem Beschluss des SBFI bei zwei Berufen (Medizinische Praxisassistenten/-innen und Hauswirtschaft EFZ) die Befragung beantragt haben und diese durch das SBFI auch bewilligt wurde. Die Berufsbildner wurden mittels einer umfassenden Dokumentation über die Leistungen der Lernenden befragt.

Und übrigens: Wir bereiten uns bereits darauf vor, dass auch 2021 das Qualifikationsverfahren in einer angepassten Form durchgeführt werden muss.

Heinz Bross, Leiter Fachstelle Qualifikationsverfahren
Kompetenzzentren
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Die Umsetzung des Projekts Kompetenzzentren läuft planmässig. In den verschiedenen Teilprojektteams laufen die Planungsarbeiten für die Überführung der Berufe auf das Schuljahr 2021/22. Die Neueinteilung der Schulgebiete für die Berufe, die ab Lehrjahr 2021/22 Änderungen erfahren, wird voraussichtlich bis Mitte November abgeschlossen. Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt wird anschliessend die betroffenen Lehrbetriebe und Schulen schriftlich informieren und die neuen Schulgebiete unter www.zh.ch/kompetenzentren aufschalten. Ebenfalls schriftlich informiert werden die Lernenden, welche nächsten Sommer die Schule wechseln müssen. Dies wird mit einem separaten Newsletter erfolgen.
Revisionen der kaufmännischen Grundbildung und der Berufe des Detailhandels
Die Ausbildungsgrundlagen der kaufmännischen Grundbildung und der Berufe des Detailhandels werden per 2022 durch die nationalen Trägerschaften einer Totalrevision unterzogen. Ein Kernstück der Revisionen ist die Umstellung des schulischen Unterrichts auf die Handlungskompetenzorientierung, was die Berufsfachschulen vor grosse Herausforderungen stellt. Deshalb hat das MBA Zürich ein Umsetzungsprojekt gestartet. Ebenfalls wurde auf nationaler Ebene entschieden, die Umsetzung national zu koordinieren und die notwendigen Umsetzungsinstrumente zentral zu erarbeiten. Weitere Informationen zu den Revisionen und Fragen der Umsetzung finden Sie unter

https://www.zh.ch/de/bildung/schulen/berufsfachschule/revision-kv-und-detailhandel.html.