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Newsletter Betriebliche Bildung
September 2019
Liebe Leserinnen und Leser

Schule geschafft, Lehrstelle gefunden: Mit dem Lehrbeginn starten die meisten Lernenden in einen neuen, ihnen unbekannten Lebensabschnitt. Der Schritt von der Sekundarschule in die Berufswelt ist gross: Auf die Jugendlichen kommt ganz viel Neues zu. Aber auch der Lehrbetrieb ist gefordert: Junge und meist schüchterne Jugendliche müssen in einen gut funktionierenden und oft hektischen Betrieb eingeführt und zu kompetenten Berufsleuten ausgebildet werden.
Wir wünschen allen einen guten Start ins neue Lehrjahr und danken den Zürcher Lehrbetrieben für ihr grosses Engagement.
Probezeit als Chance
Die Probezeit ist eine «Testphase» für Lehrbetrieb und Lernende. Sie soll zeigen, ob Betrieb und Lernende zusammen passen und ob die bzw. der Lernende die richtige Berufswahl getroffen hat. Die Probezeit ist keine Einbahnstrasse – sie dient beiden Parteien gleichermassen.

Die Probezeit darf nicht weniger als einen Monat und nicht mehr als drei Monate dauern. Je länger die Probezeit dauert, desto besser ist der Einblick für beide Seiten. Zeigen sich Startschwierigkeiten oder erfüllen sich gegenseitige Erwartungen nicht oder nur teilweise, ist eine Verlängerung der Probezeit auf maximal sechs Monate möglich.

Tipp: Stellen Sie im Rahmen eines persönlichen Gesprächs sicher, dass die gegenseitigen Erwartungen nochmals geklärt werden können.

Für eine Verlängerung braucht es die Zustimmung des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes; verwenden Sie das Formular «Gesuch Verlängerung der Probezeit». Falls es dennoch nicht passt: Während der Probezeit kann der Lehrvertrag mit sieben Tagen Kündigungsfrist von Lernenden und Lehrbetrieben jederzeit aufgelöst werden. Die Gründe sollen seriös erläutert werden; dies hilft beiden Lehrvertragsparteien für die weitere Berufswahl respektive die allfällige Wiederbesetzung der Lehrstelle.

Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt muss über die Vertragsauflösung umgehend schriftlich informiert werden; es setzt die Bildungspartner in Kenntnis.

Bei Krankheit oder Unfall verlängert sich die Probezeit um die Dauer der Verhinderung. In der Regel sind dies die Anzahl Arbeitstage, die wegen der Krankheit oder des Unfalls weggefallen sind. Dies gilt auch bei einer Verlängerung der Probezeit.

Bei Fragen können Sie sich gerne an die zuständige Berufsinspektorin respektive den zuständigen Berufsinspektor wenden. Die Angaben finden Sie hier.
Interview mit Siamand Adaf, Restaurationsangestellter EBA
Das Verpflegungsteam des Kantonsspital Winterthur (KSW) bereitet täglich mit 95 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus 23 Nationen rund 2‘220 Mahlzeiten zu. Das Team unter der Leitung von Ruedi Manser engagiert sich sehr in der Lernendenausbildung. Aktuell absolvieren neun Jugendliche eine Ausbildung in den drei Berufen Koch/Köchin EFZ, Diätkoch/Diätköchin EFZ und Restaurationsangestellte/r EBA. In den vergangenen 25 Jahren sind über 100 Lernende erfolgreich ausgebildet worden, und die Lernenden des KSW zählen regelmässig zu den besten im Kanton.

Siamand Adaf, ein anerkannter Flüchtling aus Syrien, absolvierte im KSW die Lehre als Restaurationsangestellter EBA. Er schloss die Ausbildung als einer der Bestplatzierten im Kanton Zürich mit einer Note von 5.2 ab.
Seit wann sind Sie in der Schweiz?
Seit Oktober 2015.

Wie sind Sie in die Schweiz gekommen?
Mein Onkel lebte bereits in der Schweiz. Ich flüchtete über Griechenland in die Türkei, wo ich ein Jahr in einem Flüchtlingslager verbrachte. Von Istanbul reiste ich über Österreich in die Schweiz ein.

Wie haben Sie so gut Deutsch gelernt?
Ich besuchte einen Deutschkurs sowie im Anschluss das 10. Schuljahr in Winterthur-Töss.

Weshalb haben Sie den Beruf Restaurationsangestellter EBA gewählt?
Der Gästekontakt sowie der Umgang mit Lebensmitteln gefielen mir sehr gut.

Wie sind Sie auf die Lehrstelle aufmerksam geworden?
Meine Klassenlehrerin organisierte eine Schnupperlehre. Da lernte ich den Beruf und meine zukünftigen Kollegen und Kolleginnen kennen und schätzen.

Was waren die grössten Herausforderungen während der Lehre?
Die ganze Lehrzeit verlief ohne grosse Hürden. Nach einer Angewöhnungsphase fühlte ich mich sehr wohl und wurde in der Ausbildung von allen Seiten gefördert und unterstützt.

Werden Sie im Betrieb bleiben?
Leider nein. Ich wäre sehr gerne im Kantonsspital Winterthur geblieben; aktuell ist aber keine Stelle in der Verpflegung frei.

Welches sind Ihre weiteren beruflichen Ziele?
Ich plane eine kaufmännische Weiterbildung, eventuell eine dreijährige kaufmännische Lehre.

Interview: Marcus Schmid, Berufsinspektor
Integrationsvorlehre – erfolgreicher Einstieg in die Berufswelt
Die Firma Bühlmann & Partner Garten in Stäfa hat letztes Jahr einen von über 100 Ausbildungsplätzen für die Integrationsvorlehre zur Verfügung gestellt. Der 22-jährige Flüchtling Ruhullah Rezaye hat die einjährige Ausbildung im Sommer erfolgreich abgeschlossen. Das Fazit von Inhaber Eugen Bühlmann fällt positiv aus: «Als wir von diesem neuen Projekt erfahren haben, war uns sofort klar, dass wir einem Flüchtling diese Chance geben möchten. Mit Ruhullah Rezaye haben wir erst noch einen topmotivierten Lernenden gewonnen – es ist also für beide Seiten eine grosse Bereicherung».

Während der Integrationsvorlehre arbeiten die Teilnehmenden an durchschnittlich dreieinhalb Tagen pro Woche in einem Vorlehrbetrieb; an den restlichen Tagen besuchen sie die Schule. Dort werden neben Sprachkenntnissen überfachliche Kompetenzen und Grundlagenwissen im Berufsfeld vermittelt. Im Betrieb lernen die Flüchtlinge, sich im Arbeitsalltag in der Schweiz zurechtzufinden und sie verbessern ihre berufsspezifischen Deutschkenntnisse. Ruhullah Rezaye betont, wie wichtig dieses Vorlehrjahr für ihn war: «In meiner Heimat hatte ich nicht die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen; ich arbeitete schon in jungen Jahren auf Baustellen und legte Platten. Dank der Integrationsvorlehre kann ich nun eine Gärtner-Lehre machen».

Enger Bezug zur Praxis

Die Grundlagen für die Ausbildung im Betrieb und in der Schule sind in einem Kompetenzprofil festgelegt. Das Profil ist auf die Anforderungen der Berufswelt ausgerichtet und definiert berufsrelevante Ziele. Zu den Stärken der Integrationsvorlehre gehören der enge Bezug zur Praxis, die Nähe zur Arbeitswelt und zu den Berufsfachschulen sowie die zielgruppengerechten Inhalte. Betriebe, die einen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellen wollen, melden sich beim Mittelschul- und Berufsbildungsamt. Sie erhalten dann vom Berufsinformationszentrum (biz) in ihrer Region Vorschläge von Kandidatinnen und Kandidaten für eine Schnupperlehre. Die Berufsinformationszentren des Kantons und das Laufbahnzentrum der Stadt Zürich sind für die Aufnahmeverfahren zuständig. Interessierte werden über die Berufsfelder und das Bildungssystem in der Schweiz informiert. In der Beratung werden die schulische und sprachliche Eignung sowie die Berufsbildungsfähigkeit abgeklärt.

Möchten Sie im Schuljahr 2020/21 einen Ausbildungsplatz für die Integrationsvorlehre zur Verfügung stellen? Informieren Sie sich unter www.mba.zh.ch/integrationsvorlehre und melden Sie sich unter integrationsvorlehre@mba.zh.ch.
Tipps der Betrieblichen Bildung
• Werden Änderungen am bestehenden, genehmigten Lehrvertrag vorgenommen (z. B. eine Lohnerhöhung), ist kein neuer Lehrvertrag nötig. Es genügt, wenn dies in einer Vereinbarung mit der bzw. dem Lernenden geregelt wird. Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt benötigt eine Kopie dieser Vereinbarung zur Kenntnisnahme (per Mail oder per Post).
• Zur Erinnerung: Der Wechsel der Berufsbildnerin bzw. des Berufsbildners ist umgehend dem Mittelschul- und Berufsbildungsamt zu melden. Die Meldung kann per Post, per Mail oder über das Lehrbetriebsportal erfolgen. Das Formular findet sich hier.
• Zur Entlastung der Lehrbetriebe sind auf der Website des Mittelschul- und Berufsbildungsamts diverse Formulare zu finden.
«zackstark – rauchfrei durch die Lehre»
Das Projekt «zackstark – rauchfrei durch die Lehre» ist im August erfolgreich im Kanton Zürich gestartet. Über 60 Betriebe haben sich bereits angemeldet. Auf der Webseite www.zh.zackstark.ch können Sie sich und Ihre Lernenden jetzt anmelden.

«zackstark – rauchfrei durch die Lehre» hilft den Jugendlichen, rauchfrei zu bleiben. Sie unterzeichnen eine Vereinbarung und verpflichten sich damit, während der gesamten Lehrzeit nicht zu rauchen. Als Lehrbetrieb unterstützen Sie die Jugendlichen dabei. «zackstark» bietet – neben den gesundheitlichen Vorteilen für die Lernenden – auch den Betrieben einen Nutzen: Es gibt weniger Fehlzeiten und Ausfälle, und die Produktivität wird gesteigert.

«zackstark» ist ein Projekt der Fachstelle für Suchtprävention des Mittelschul- und Berufsbildungsamts, der Zürcher Fachstelle zur Prävention des Suchtmittelmissbrauchs (ZFPS) und LUNGE ZÜRICH. Es wird von den regionalen Suchtpräventionsstellen und durch den Tabakpräventionsfonds finanziell unterstützt.
Wichtige Termine und Fristen
Berufsmesse 2019: vom 19. bis 23. November 2019 in der Messe Zürich: Link




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